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Bundeswehr

„(...) Denn ich bin Bundeswehrsoldat 'n toller Typ

und ich hab mein Vaterland so furchtbar lieb.

Wollte nie in meinem Leben was anderes sein

und außerdem fiel mir auch gar nichts bess'res ein.

Ich komm unwahrscheinlich gut bei Frauen an,

denn ich trag mein Haar so kurz wie sonst kein Mann. (...)“

Mit diesem Lied deckt Mike Krüger schon einige Aspekte der Bundeswehr ab.

 

Aber fangen wir mal von vorne an. Am Dienstag landeten Franz und ich in Frankfurt und machten uns auf den Weg ins Abenteuer, zur Grundausbildung in Hannover. Offizielle Anreise wäre bis Montag 15 Uhr gewesen, doch wir hatten eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

An der Kaserne angekommen mussten wir die erste Hürde nehmen, denn wie das so ist, sind Kasernen immer ziemlich gut gesichert. Aber keine Sorge, wir haben unsere Hürde nicht wortwörtlich genommen und sind über den Zaun gesprungen, sondern haben unser Glück vorne an der Hauptwache probiert. Nach etwas Hin und Her, sowie einigen Telefonaten durften wir nun auf's Gelände und zu unserer Unterkunft für die nächsten 6 Wochen. „Block/Haus oder von mir aus auch Unterkunft 5“. Vor der Tür warteten wir auf unseren Ausbilder. Von draußen konnten wir schon unsere Kameraden in Linie angetreten sehen. Selbstverständlich gab's auch gleich den ersten „Anschiss“, was uns denn einfiele, hier in Zivil aufzuschlagen. Gut, dass ich im Vorfeld schon gehört hatte, das man eigentlich im Dienstanzug anreisen müsste. Da Franz noch nicht eingekleidet war und mein Anzug noch in der Schneiderei bearbeitet wurde, war dieser Einlauf völlig umsonst. Die ersten zwei Wochen wurden am Stück absolviert und wir bekamen die Grundlagen eingeflösst wie „Alles klar ist ein Glasreiniger!!! Das heißt JAWOLL!“ oder dass es die Zahl „Zwei“ ja gar nicht gibt, denn irgend jemand hat sich überlegt, dass man diese Zahl in ZWO umbenennt, da ansonsten die Ähnlichkeit zu "Drei" zu groß wäre. Naja von mir aus gerne, ich bin flexibel.

Die ersten drei Wochen beschäftigten wir uns viel mit Putzen (ZWO mal am Tag), Theorie von 7-16 Uhr, Formaldienst, Waffen zerlegen, zusammensetzen und besonders gern wurde der Rucksack über mehrere Stunden ein und wieder ausgepackt. Die restliche Zeit verbrachten wir mit Warten (natürlich im Stehen und „Wände stehen auch von allein“).

An das frühe Aufstehen um 5 Uhr gewöhnt man sich zwar irgendwann, aber wenn man den ganzen Tag im Unterrichtsraum verbringt, kann es durchaus mal zu einem Sekundenschlaf kommen.

In der vierten Woche kam der liebliche Weckruf „Dritter ZUUG AAAUUUUFSTEEEEHN!“ schon um 4:30 Uhr, denn es ging jeden Tag auf die Schießbahn nach Bergen um dort die Schießübungen mit der P8 und dem G36 mit scharfer Munition zu absolvieren. Der erste Tag zog sich extrem in die Länge.... meine erste Schießübung absolvierte ich um 10:15 Uhr mit dem Gewehr, die nächsten 5h verbrachte ich mit Nichtstun im Stehen, bevor ich meine zweite Übung schoss. Highlight war unser kleines Gehege, welches wir abstecken mussten und auf welchem wir uns aufhalten durften, wenn wir gerade nicht am Schießen waren. Wie die Schafe standen wir auf der Wiese umzäunt und unterhielten uns im Flüsterton. Zum Glück durften wir uns ab Dienstag immer gegen Mittag ordentlich auf den Boden setzen, sonst hätte ich nach der Woche doppelt so dicke Beine wie vorher gehabt. Pro Tag wurde 8h lang geschossen, effektiv war man davon etwa 1h dran, daher entdeckten wir irgendwann ein neues Hobby und schnitzen die außergewöhnlichsten Dinge aus Ästen, die wir in unserem Gatter so fanden.

Nach dem Schießen ging es wieder im Bus nach Hannover, dort wartete meist noch Trockentraining, Waffenreinigen oder auch einige Stunden Unterricht auf uns.

Aus der Woche konnte ich auf jeden Fall mitnehmen, dass kein Film im Fernsehen realistisch ist, so eine Pistole hat einen unfassbaren Rückstoß, ist extrem laut und nur für kurze Distanzen zielsicher. Da kann man nicht auf 100m einen Autoreifen eines fahrenden Auto treffen, nie im Leben!!!

Nach meinem ersten Schuss aus der P8, hatte ich so viel Adrenalin im Körper, dass ich die Waffe kaum noch ruhig halten konnte. Wahrscheinlich wurde mir durch den „Bumms“ der Waffe und das Loch in der Zielscheibe erst wirklich bewusst, was für einen Menschenlocher ich da in der Hand hielt. Und: Abkrümmen (BW Deutsch für Abfeuern der Waffe) ohne vorgespannten Hahn konnte ich auch nicht :D

Highlight am Freitag war die letzte Übung. Ein volles Magazin mit 30 Schuss für das G36 durften wir per Feuerstoß abgeben. Dauert zwar nur etwa 2 Sekunden, ist aber sehr eindrucksvoll. Selbst ein 102kg Mann wird durch die Kraft nach hinten geschoben und das Gewehr zieht nach oben. Ohne die Ausbilder, die uns von hinten Halt gaben, wären wir wahrscheinlich durch den Feuerstoß alle drei Schritte nach hinten geschoben worden.

Nächste Woche geht’s dann für uns ins Zeltlager auf den Truppenübungsplatz. Ich hab mal gehört, bei der Bundeswehr nennt man das Biwak. Aus dem Unterricht blieb bei mir noch so was wie "Lagerfeuer, Zelt und den Feind mit Platzpatronen bekämpfen hängen". Hört sich ja erstmal ganz witzig an, ich bin gespannt und melde mich am Ende der Grundausbildung wieder bei euch.

Bis dahin....

„Dritter Zug STILLgestanden!! In die Dienstunterbrechung/das Wochenende wegtreten!“

„SCHAAAAADEEEEEEÉ“!

 

Teil II:

So, nun bin ich aus dem Biwak zurück und muss sagen, es war wirklich ganz spannend.

Schon am Sonntagabend wurden die Rücksäcke und Koppeln gepackt bzw. bestückt. Am Montag kam dann noch das Gewehr (G36) dazu, sodass man auf ein beträchtliches Zusatzgewicht kam. Voll ausgestattet ging es dann zum 7km entfernten Truppenübungsplatz. Die ersten Meter selbstverständlich über die öffentlichen Straßen von Hannover. Als Passant hätte ich mich wahrscheinlich totgelacht, wenn mir 40 Leute mit Gepäck für eine Woche, einem Gewehr um den Hals, einem Kampfhelm auf dem Kopf und Tarnschminke im Gesicht entgegengekommen wären. Nach 1,5h waren wir dann in unserem Waldstück angekommen und begannen, die Zelte aufzubauen. Am ersten Tag wurden wir noch in den Bereichen Tarnen, Kompass und Karte, sowie der Schützenreihe und des Schützenrudels ausgebildet. Als Verpflegung gab es EPa (Einmannpackung). Quasi Flugzeugessen zum selbst erwärmen und etwa 25 Jahre haltbar.

Abends brachen wir zu einen Orientierungsmarsch auf, wir mussten verschiedene Punkte anlaufen, dort eine Aufgabe bewältigen um so die neuen Koordinaten oder die neue Marschkompasszahl zu erhalten. Während 4 Leute mit dem Lösen der Aufgabe beschäftigt waren, musste die anderen eine 360° Sicherung gewähren, das heiß man warf sich einfach in den nächsten Busch und hielt Ausschau nach dem Feind. Ich will gar nicht wissen in was ich mich alles reingelegt habe, zum Glück war es dunkel! Zwischendurch versteckten wir uns auch noch vor unserem Leutnant, der uns mit einem Auto suchte, jedoch nicht fündig wurde, da wir alle perfekt getarnt im Wald lagen. Etwas unnötig, machte aber trotzdem Riesenspaß. Nach 2h war der Orientierungsmarsch dann auch vorbei und wir bekamen die Info, dass nun wieder in die Kaserne verlegt würde da die Hygienestandards draußen nicht eingehalten werden konnten. Nach über 20km marschieren durften wir uns sogar noch duschen, bevor es dann ins Bett ging. Nach 4h Schlaf wurde wieder zurück in den Wald verlegt, wo wir mit unserem nassen Holz ein Feuer entfachten. Dauerte eine Weile, doch irgendwann bekamen wir es zum brennen. Der Tag verging recht schnell und gegen Abend teilten die Gruppen ihre Nachtwache, den Alarmposten und die Streife ein. Die Nachtwache musste auf das Feuer achten, der Alarmposten lag am Waldrand und wartete auf den Feind und die Streife lief um das Waldstück und hielt ebenfalls Ausschau nach ungewöhnlichen Vorkommnissen. Jede Stunde wurde gewechselt. Besonders anstrengend war der Alarmposten, da man eine Stunde auf dem kalten Boden lag und einfach nichts passierte. Es war auch nichts besonderes, wenn man dort mal kurz wegnickte, schlecht nur, wenn sich gerade dann der Ausbilder von hinten anschleicht und einem das Gewehr klaut! Der Kamerad durfte dann erstmal 1h nach seinem Gewehr suchen, bevor er es wieder zurück erhielt. Die Nacht gut überstanden, ging es im Laufschritt mit Gepäck wieder zurück in die Kaserne. Warum man uns vorher Bergetücher austeilte, wurde nun auch nach wenigen Metern klar. Nachdem zwei Kameraden nicht mehr konnten, wurden diese mit dem Tragetuch transportiert. Das einzig Positive war, dass der Schmerz mit einem anderen/stärkeren Schmerz überdeckt wurde. Also taten nun nur noch die Arme weh :)

Angekommen wartete noch die Hindernisbahn auf uns, bevor wir unter die Dusche durften. Den Rest des Tages waren wir mit Putzen beschäftigt.

In der letzten Woche war noch mal Ausdauer gefragt! Marschieren und Stillstehen wurde bis zum Umfallen geübt (es sind tatsächlich welche umgekippt). Die Stuben und Waffen wurden auf Hochglanz und

zu guter Letzt gab es noch den Akt der Grußabnahme, an dem die Ausbilder besonders viel Spaß hatten, sich im Zimmer versteckten, sich degradierten oder einfach den Dienstgrad mit schusssicheren Westen verdeckten.

Es war eine interessante Zeit mit Einblicken in mir völlig neue Tätigkeiten, die ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Die 6 Wochen waren durchaus auch anstrengend, dennoch blieb der Spaß nicht auf der Strecke und die Erfahrung in einer Gemeinschaft, die unter strengen Regeln ein straffes Programm zu absolvieren hatte.

Dank fairer und korrekter Ausbilder, mit denen nach erledigter Aufgabe auch persönliche Gespräche geführt werden konnten verging die Zeit schnell. Dennoch freue ich mich jetzt wieder auf etwas spätere Weckzeiten und darauf, wieder meinem Sport nachkommen zu dürfen!