Justus Nieschlag - mein Blog

 

Challenge Mallorca

Heute kann ich von einem ganz besonderen Ereignis berichten, meiner ersten Mitteldistanz. Ich muss gestehen, ich habe mich schon etwas wie ein Hobbyathlet gefühlt. Als ich auf Malle landete, hatte ich quasi keine Ahnung von nichts...: "Wo gehen die Strecken lang...? Keine Ahnung zwei große Runden. Wie soll ich mir eine 45km Strecke merken? Ab welcher Temperatur ist mit oder ohne Neo. Wie funktionieren die Wechselbeutel?...."

 

Glücklicherweise klärten sich die meisten Fragen beim Briefing und auch beim Vorabend Check-in bekam ich besten Support der erfahrenen Altersklassenathleten in der Wechselzone.

Am nächsten Morgen, also dem Wettkampftag, suchte ich vergebens nach einem Aushang mit Informationen zur Wassertemperatur. Kurz vor dem Start kam dann aber die Durchsage: Profis ohne, Altersklassenathleten mit Neo.

Beim Schwimmen galt es, eine große Runde von 1,9km zu schwimmen. Gestartet wurde vom Strand. Den Start absolvierte ich wie auf der Kurzdistanz, erst mal volles Programm los bis das Feld gerissen war. Danach versuchte ich einfach auf einem guten Niveau weiter zu schwimmen, ohne mir groß weh zu tun. Der Plan war, meine Schwimmstärke auszuspielen um die anderen früh unter Druck zu setzen und auf dem Rad auf dem ersten Metern etwas Ruhe zu haben. Dieser Plan ging auf, denn ich hatte bereits nach dem Schwimmen einen komfortablen Vorsprung. Auf der Kurzdistanz gehört der Wechsel eigentlich auch zu meiner Stärke aber auf der Mitteldistanz hatte ich doch etwas meine Probleme. Die Riemen vom Beutel verdreht, im Beutel alles durcheinander, Kinnriemen vom Helm verdreht...naja scheinbar muss erst mal alles schief gehen, was so schiefgehen kann. Auf dem Rad stiefelte ich ordentlich los, pendelte mich dann aber schnell auf einem konstanten Niveau ein. Der Radkurs war mit 900Hm auf 90km leicht profiliert und abschnittsweise auch etwas technisch. Diese Abwechslung kam mir sehr entgegen und so kam es anders als erwartet, mein Vorsprung wuchs kontinuierlich an. Mit etwa 7min Vorsprung begab ich mich in die zweite Wechselzone. Auch hier lief wie beim ersten Wechsel schon nicht alles glatt. Der Beutel war am Haken eingeklemmt, sodass ich plötzlich sowohl den Haken als auch meinen Beutel in der Hand hielt. Der Wechsel an sich war ganz in Ordnung, wäre da nicht noch das Problem mit dem Haken. Nach ein paar gescheiterten Versuchen hing der Beutel endlich wieder an der entsprechenden Position. Auf der Laufstrecke merkte ich schon früh, dass mein Magen nicht so ganz wollte. Ob die Ursache an der Verpflegung auf dem Rad lag, oder ob es andere Gründe dafür gibt muss ich noch genau analysieren. Mit einer kleinen „Wampe“ in Form eines Wasserbauchs gluckste ich also über die Laufstrecke und die Gedanken an einen Dixi-Stopp wurden zunehmend größer. Auch wenn ich auf dem Halbmarathon etwas von meinem Vorsprung einbüßte, war die Lücke ausreichend groß für einen solchen Stopp. Allerdings wusste ich nicht, ob meine Beine danach noch weiter laufen wollten, daher schob ich den Gedanken immer eine Runde weiter bis ich in der letzten Runde war. Jetzt war ich so weit gelaufen, nun musste ich es auch noch ins Ziel bringen. Auf den letzten Kilometern machten sich dann doch die ganzen Kurven und Wendepunkte der Laufstrecke bemerkbar und jede kleine Erhöhung auf der Runde spürte ich in meinen Beinen. Am Ende war ich sehr froh als ich endlich in den Zielkanal einbiegen durfte! Meine erste Mitteldistanz und diese gleich gewonnen, das war ein einzigartiges Gefühl. Dazu kam die Erschöpfung, der Magen,...mein Körper wusste für einige Zeit nicht genau was Sache war. Der Weg zum Podest für die Flower-ceremony war sehr zäh, warum baut man nach einem solchen Wettkampf bitte so eine hohe Bühne und warum muss das Podest so hoch sein?!? Anschließend musste ich noch zur kurzen Überwachung bei den Sanitätern vorbei, aber ich fing mich relativ schnell wieder und konnte mich auf den Weg zur Dopingkontrolle machen. Am Abend waren nur noch die muskulären Schmerzen zu spüren, an Schlaf war eh nicht zu denken, so konnte ich wenigsten Hawaii verfolgen, bis die Müdigkeit spät in der Nacht doch überwog.

Besten Dank noch an meine Support-Crew mit Familie Knapp und besonders Simon Schlichenmaier! Simon konnte selber leider nicht starten, bot aber sofort seine Unterstützung an und sorgte dafür, dass ich auf der Laufstrecke auch hin und wieder auf meine eigenen Verpflegung zurückgreifen konnte. 

Nicht zu vergessen Petko Beier, welcher diesen Tag erneut in fantastischen Bilder festhielt.

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