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IM 70.3 Kraichgau

(c) Marcel Hilger

Am vergangenen Wochenende stand mal ein ganz anderes Projekt auf meiner Liste. Nach Jahren habe ich mich wieder auf die Mitteldistanz gewagt und mich einer starken Konkurrenz beim Ironman 70.3 Kraichgau gestellt. 

Ich muss gestehen, es war alles mal wieder recht aufregend im Vorfeld. Es ist ja doch irgendwie was anderes als die ganzen ITU Rennen, die ich so bestreite. Bereits im Vorfeld des Rennens spürt man den ganzen Trubel und wird von einem Talk zum nächsten Interview weiter gereicht. 

Auch muss ich mich immer noch daran gewöhnen, dass man sein Fahrrad bereits den Abend vor dem Rennen in der Wechselzone abstellen muss. Dies hatte diesmal jedoch was positives, denn so konnte ich parallel zum Einchecken noch das Bundesligarennen der Frauen verfolgen.

 

Irgendwann habe ich übrigens aufgehört zu zählen, wie viele Leute mich darauf hingewiesen haben, dass ich doch auf der „falschen“ Seite vom Zaun stehen würde und ja eigentlich eher in der Bundesliga zu Hause bin.

Nach dem Rennen der Frauen verabschiedeten wir uns schnell und machten uns wieder auf den Weg zum Hotel um noch ein paar Nudeln an Board zu nehmen und die Beine hochzulegen. Im Stream wurde dann aber natürlich auch das Rennen der Männer verfolgt ;-)

Für Mitteldistanz-Verhältnisse konnte wir am Sonntag quasi ausschlafen, da der Start erst um 8:30 Uhr erfolgte. Der Wecker klingelte trotzdem um 5:30 Uhr, es wurden noch die Trinkflaschen präpariert und die letzten Sachen zusammen gesucht. Anschließend ging es um 6:00 Uhr zum Frühstück um noch irgendwie zwei helle Brötchen mit Honig runter zu bekommen. Da das Rennen über zwei Wechselzonen verfügte, fuhren wir mit dem Auto zum Schwimmstart, denn unser Hotel war in der Nähe von T2 und dem Ziel. Das Rad wurde kontrolliert, die Flaschen positioniert und der Reifendruck den regnerischen Bedingungen angepasst. Vor dem Start absolvierte ich lediglich ein kurzes Einschwimmen. Dann war es soweit….!

Nach dem Startschuss versuchte ich mich möglichst schnell aus dem Getümmel zu lösen, was mir auch sehr gut gelang. An der ersten Boje traf ich dann auf einen Sportler, der es ebenfalls eilig zu haben schien. Der Schweizer, wie sich später heraus stellte, drückte mächtig aufs Tempo und ich musste mich sputen um auch nur ansatzweise in der Nähe seiner Beine zu bleiben. Mit 5 Sekunden Rückstand kam ich nach 1,9km an Land, konnte mich aber bereits in der Wechselzone an die Spitze des Feldes setzen. Aus den Rufen der Menge konnte ich entnehmen, dass der Vorsprung auf eine größere Verfolgergruppe etwa 1,5min betrug.

Auf den ersten Kilometern der Radstrecke warteten noch keine Höhenmeter auf uns, dementsprechend drückte ich ordentlich aufs Tempo, um die Verfolger nicht zu früh aufschließen zu lassen. Soweit der Plan.

Nach gut 20km wurde der Kurs dann hügelig…“Kraichgau: Willkommen im Land der 1000 Hügel!“ Ja, das passt.

Ein Blick auf den Tacho verriet mir, dass ich etwas zu schnell unterwegs war, aber die Beine waren gut, also machte ich einfach weiter. Als ich nach der Hälfte der Radstrecke noch nichts von der Konkurrenz erblicken konnte, fing ich schon mal an zu rechnen wie viel ich jetzt noch etwa verlieren konnte, sofern der Express von hinten käme. Nach 60km war immer noch niemand zu sehen und ich hatte keinerlei Infos. Aber auf der Mitteldistanz kämpft eh jeder für sich, also immer weiter…!

Nach 70km machten sich die ersten Krampfansätze bemerkbar und ich drosselte etwas das Tempo, versuchte mich gut zu verpflegen und nicht zu viel Zeit zu verlieren. Nach 90km durfte ich dann mein Rad gegen die Laufschuhe eintauschen. Hier erhielt ich dann auch das erste Mal ganz offiziell einen Zwischenstand vom Moderator, der einen Vorsprung von der letzten Zeitnahme von etwa 1,5min bekannt gab. Huch, da hatte ich den Vorsprung wohl konstant gehalten. Noch einigermaßen flüssig begab ich mich auf die Laufstrecke, musste mich aber bei jedem Schritt drauf konzentrieren keinen heftigen Krampf zu kassieren. Schnell drückte ich mir noch ein Gel rein und versuchte an jeder Verpflegung etwas Wasser anzunehmen. Nach der ersten von drei Runden wurden die Beine besser und ich konnte den Speed etwas erhöhen. In der ersten Laufrunde schien der Vorsprung nach wie vor unverändert geblieben zu sein. Nach den zweiten Runde erhielt ich die Info, dass mein Vorsprung nun über 2min betrug. Die Beine wurde wieder etwas müder und das Kopfspiel begann von vorne. „Noch 7km, über 2min Vorsprung, wenn jetzt nichts unvorhergesehenes passiert, dann kannst du gewinnen…!“

Die letzte Runde zog sich dann nochmal wie Kaugummi, aber der Vorsprung blieb konstant und die letzten 2-3 Kilometer wurden die Beine nochmal etwas besser, getragen von dem Wissen: Es reicht!!

Im Ziel durfte ich mich etwas feiern lassen, wobei meine Beine komplett im Eimer waren. Wenn man nach so einem Spaß einmal stehen bleibt, dann ist es vorbei. Zurück zum Hotel lief ich, als wären meine Beine zwei Stahlträger. Abends auf der Siegerehrung schaffte ich aber dennoch das Podium zu erklimmen um meinen Slot für die 70.3 Weltmeisterschaft im Oktober entgegen zu nehmen. Ob ich wirklich starte, muss erst noch mit meinem Trainer Dan Lorang diskutiert werden.

Ein paar Tage später kann ich sagen, es hat Spaß gemacht und nach drei Tagen kann ich die Treppe nun endlich auch wieder vorwärts runter gehen…der Muskelkater lässt langsam nach :- 

Jetzt beginnt aber erst mal die „normale“ Kurzdistanz Triathlon Saison, mit einem Start beim Weltcup in Huatulco, Mexico.