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Olympia Tokyo 2020

Olympia Tokyo 2020

Wieder zurück in Deutschland blicke ich zurück auf meine ersten olympischen Spiele unter besonderen Umständen und um ein Jahr verspätet. Wie war es? Was habe ich erlebt? Fazit?

All diese Fragen stelle ich mir aktuell selber noch! :-)

Das Abenteuer begann schon kurz vor unserem Abflug. In diesem Zyklus wurde die Einkleidung nicht zentral ausgegeben, sondern bestellt bzw. an bestimmten Standorten anprobiert. Durch mein Trainingslager in St. Moritz bestellte ich die Bekleidung ohne vorherige Anprobe. 

Zurück in Saarbrücken erwarteten mich dann bereits zwei riesige Reisetaschen randvoll mit Klamotten. Ich kann nur sagen WOW! So umfangreich wurde ich noch nie eingekleidet. Ganz oben auf lag auch schon ein Leitfaden. Sprich ein kleines Buch, in dem geregelt wurde, wann wir was anzuziehen hatten. Nur um kurz mal einen kleinen Eindruck zu vermitteln: ich war einen Abend 1:15h nur damit beschäftigt die Bekleidung auszupacken und anzuprobieren. Scheinbar bin ich ein ziemlich durchschnittlicher Typ 🤪, denn die Sachen passten alle auf Anhieb.

 

Am 18.07 stiegen wir in Frankfurt in den Flieger nach Tokio. Vorher musste reichlich Papierkram erledigt werden. Wir stellten uns auf 4-8h für die Einreise in Japan ein. Das waren die durchschnittlichen Erfahrungswerte. Nach guten 1,5h saß ich bereits im Wartebereich außerhalb des Terminals. Tatsächlich hatten wir es schon geschafft und durften uns auf den Weg ins Olympische Dorf machen.

Das erste Mal an der „frischen“ Luft versetzte mir erstmal einen kleinen Schock. Puh, was ne Hitze und Luftfeuchtigkeit. Im Olympischen Dorf bezogen wir unser Apartment, was aus jeweils zwei Doppelschlafzimmern und einem kleinen Wohnbereich bestand. Wir sollten unser Apartment später noch mit den Freiwasser Jungs teilen, die ersten Tage waren wir jedoch alleine. Ansonsten muss man sich die Unterkunft wie einen Rohbau vorstellen, alle Wände bestanden aus nackter Spanplatte mit reichlich Schrauben als Verzierung. Man wollte wohl verhindern, zweimal renovieren zu müssen 😅 

Im Dorf durften wir uns frei bewegen, die Maske musste immer getragen werden, außer im eigenen Zimmer oder beim Essen. Die Mensa hatte glücklicherweise 24h geöffnet, da wir direkt versuchten in den Wettkampfmodus zu kommen. Dies bedeutete vorerst gegen 4:00 Uhr aufstehen. Für das Schwimm- und Radtraining durften wir das Dorf verlassen und wurden zu den Trainingsstätten gefahren. Auf dem Trainingsgelände zum Radfahren war ich jedoch nur einmal. 4h Aufwand für 1h Radfahren war mir dann doch etwas viel. Die Räder mussten in beide Richtungen jeweils 30min vor Abfahrt des Busses abgegeben werden. Die eigentliche Fahrt dauerte dann ebenfalls nochmal 30min. Naja später fuhren wir im Dorf immer im Kreis oder alternativ auf der Rolle. 

Überall wurde strikt  darauf geachtet, dass wir ja nicht mit der Bevölkerung in Kontakt kamen. Nach dem Briefing wurden wir z.B wie eine Schafherde über 300m öffentlichen Fußweg eskortiert bevor wir wieder auf dem abgeriegelten Wettkampfgelände ankamen. 

Am Montag den 26.07 stand unser Einzelrennen an. Der Wecker klingelte um 2:40 Uhr. Keine besonders schöne Uhrzeit! Da kann man auch schon mal das Tattoo seiner Startnummer „3“ falsch herum auf Armen und Beinen aufkleben 😁

Um 4:00 Uhr ging der Bus zur Wettkampfstrecke und pünktlich um 6:30 Uhr fiel der Startschuss. Leider etwas zu pünktlich, denn direkt vor meiner Nase rangierte noch das Kameraboot, welches alle Athleten vor dem Start noch einmal filmte. 

Die rechte Seite startete ganz normal und bekam von all dem nichts mit. Bei mir begann das Drama, ich glaube es standen nur noch 1-2 Athleten rechts von mir. Von uns bis nach ganz links hatten wir nun die Wahl in oder unter das Boot zu springen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, wir Athleten auf dem Ponton wechselten schon besorgte Blicke, entschied der Kampfrichter einen Fehlstart auszulösen. Die rechte Seite war locker schon 50-100m abgeschwommen, bevor sie abgefangen wurden. Der zweite Start verlief dann reibungslos und das Rennen konnte beginnen. Nach einem mäßigen Schwimmen  befand ich mich in der zweiten Radgruppe. Auf dem Rad fühlte ich mich auch nicht besonders und versuchte auf dem technischen Kurs durch eine taktische Fahrweise einige Körner zu sparen. Dennoch schafften wir recht schnell den Anschluss an die Spitzengruppe. Kurze Zeit später war dann auch die hintere Radgruppe aufgeschlossen, sodass nun das gesamte Feld auf eine Laufentscheidung wartete. Sicher nicht mein Lieblingsszenario nach einer etwas holprigen Laufvorbereitung. Dementsprechend ging beim Laufen auch nicht viel, sodass es am Ende ein doch enttäuschender 40. Platz wurde. 

So musste ich mich einmal kurz schütteln, da am Samstag ja noch die Mixed Staffel auf dem Programm stand. Dieses Format war eine olympische Premiere und somit eine ganz besondere Ehre. 

Wir gingen in der Reihenfolge Laura - Jonas - Anabel - Justus an den Start. 

Meine Teamkollegen/Innen absolvierten einen super Job und schicken mich hinter dem Podium in einer Dreier Gruppe auf die Strecke. Weder beim Schwimmen, noch auf dem Rad konnte sich jemand entscheidend lösen, sodass es auf den anschließenden 2km Laufen zu einer Entscheidung kommen musste. Bis 1,8km liefen wir auch gemeinsam, dann ging die Attacke. Leider hatte ich keine Körner mehr übrig und konnte nicht mehr folgen. Keine Ahnung ob es mit einer besseren Laufvorbereitung in den letzten Monaten besser ausgegangen wäre, die beiden direkten Konkurrenten waren zudem auch noch frisch, weil beide nicht im Einzelrennen am Start waren. Aber ich möchte hier nicht nach Ausreden suchen. Es war alles zwischen Platz 4-6 drin. Nun ist es am Ende ein doch guter 6.Platz für uns geworden. Jeder hat nochmal alles rausgeholt, daher können wir wohl zufrieden sein. 

Nach zwei Wochen im olympischen Dorf ging es dann direkt am nächsten Tag wieder auf die Heimreise. Betreuer müssen spätestens 24h nach dem letzten Rennen ihrer Sportler ausreisen, die Sportler selber haben 48h Zeit. Da wir allerdings bei keinen anderen Wettkämpfen zuschauen können und das Dorf an sich nach zwei Wochen auch nicht mehr soo spannend ist, habe ich mich dazu entschieden umzubuchen und direkt am Tag nach dem letzten Rennen abzureisen. 

Fazit?

Es waren viele tolle und unterschiedliche Eindrücke, die ich noch etwas sacken lassen werde. Sportlich reise ich mit gemischten Gefühlen ab, doch das Team-Relay war sicher ein versöhnlicher Abschluss.