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Rio Test-Event

Rio Test-Event

Der Großteil des DTU-Teams machte sich bereits am Montag nach Hamburg auf den Weg nach Angra dos Reis. Ich musste noch einen kleinen Abstecher über Saarbrücken nehmen um ein paar Prüfungen abzulegen und startete am Mittwochabend.

In Rio angekommen war ich schon ganz gespannt, was mich erwarten würde. Da mein Taxifahrer Deutsch sprechen konnte erfuhr ich schon auf der Fahrt eine Menge, denn man muss wissen, in Brasilien kommt man mit Englisch quasi nur an Touristenhochburgen voran.  Von Rio waren es noch gute 2h-2,5h  mit dem Auto bis Angra dos Reis, was 150km südlich liegt. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, denn die Straßen sind nicht besonders gut und jeder fährt, wie er es für richtig hält. Also das reinste Chaos. Unser Hotel lag direkt am Meer an einer netten Bucht, sah soweit sehr gut aus, wenn man vorher 2h an „Townships“ vorbei fährt. Einziges Problem waren die winterlichen Renovierungen im Hotel und die Partys, welche nachts auf der andern Seite der Bucht stiegen. Das Schwimmtraining absolvierten wir im Freibad der Army oder in deren Bucht im Freiwasser. Das Radtraining wurde hauptsächlich auf der Rolle absolviert, da die Strecken draußen sehr profiliert waren, die Straßen nicht die besten und die Autofahrer auch nicht unbedingt ;-).

Auf dem Steg mit Blick auf’s Meer ließ es sich aber aushalten und die wichtigen Einheiten wie die Vorbelastung absolvierten wir dann doch in freier Wildbahn.

Am Donnerstag vor dem Wettkampf machten wir uns dann auf den Weg nach Rio an die Copacabana. Auch hier ging es erst durch sehr ärmliche Gegend, wo wir an Flüssen vorbei kamen, welche randvoll mit Müll waren und der Gestank kaum auszuhalten.  Im Hotel angekommen wurde wir gleich auf die Kriminalität hingewiesen, trotzdem wurden wir einen Tag später überfallen, als es zum Schwimmtraining ging. Jemand versuchte Dan seine Kette vom Hals zu reißen, was jedoch missglückte. Nach dieser Aktion, bei der ich selber auch dabei war, schaute man jedem Fußgänger erst einmal tief in die Augen bevor man in passierte. Ab diesem Zeitpunkt liefen wir ohne Schmuck, Handy, Uhr und was man noch alles klauen konnte durch die Gegend. Eigentlich hatte ich meist nur die Hotelkarte in der Hosentasche, sowie meine Kreditkarte gut versteckt.

Vor der Besichtigung der Schwimmstrecke konnte man einer Flut von Berichten im Internet folgen, welche über die schlechte Wasserqualität in Rio diskutierten. So etwas versucht man eigentlich auszublenden, doch so wie wir mit diesem Thema befeuert wurden war dies nur schwer möglich. So entschied ich mich für die Schwimmeinheit im Pool und lediglich eine kurze Session im Freiwasser um mir das Rein- und Rauslaufen aus dem Meer anzusehen. Ich muss sagen, es war wirklich eklig, sehr eklig! Am nächsten Tag ging es auf die Radstrecke, von der man auch schon viel gehört hatte. Doch als wir in die kleine Gasse abbogen und kurz danach vor einer Wand standen, wie ich sie bis jetzt lediglich im Urlaub unter einem Skilift gefahren war, musste ich etwas schmunzeln....so etwas hatte ich dann doch nicht erwartet. Mein Garmin zeigte mir 23-24% maximale Steigung an. Ich denke man kann sich einigen, dass es bestimmt 22% waren. Nach einer ebenso steilen Abfahrt, ging es direkt in den nächsten  Hügel. Nach der Wand war es aber eher eine Asphaltblase, welche man auf dem großen Blatt bewältigen konnte. Die Laufstrecke war relativ einfach, es ging nämlich über eine flache Wendepunktstrecke direkt and er Copacabana entlang.

Am Sonntag standen dann die Rennen auf dem Programm. 9:00 Uhr  Start der Frauen und 12:30 Uhr die Männer. Bei den Frauen verlief das Rennen für Anne voll nach Plan, sie saß von Beginn an in der ersten Gruppe und erkämpfte sich beim Lauf die geforderte Top 8 Platzierung. Nun muss sie dieses Ergebnis nur noch mit einer Top 15 im kommenden Jahr bestätigen, dann hat sie das Ticket für Olympia sicher in der Tasche.

Glückwunsch zu diesem wichtigen Ergebnis! Hanna erwischte das Schwimmen ihres Lebens, hatte auf dem Rad jedoch schlechte Beine und verlor den Anschluss. Im Laufen zündete sie noch mal den Turbo in hämmerte eine richtig gute Zeit in den Asphalt, was am Ende auf dem 23. Platz endete. Anja mit gewohnt gutem Schwimmen befand sich ebenfalls in der ersten Gruppe und befindet sich nach ihrem Comeback weiterhin läuferisch auf einem aufsteigendem Ast, sie finishte auf Platz 25. Sophia und Rebecca verpassten beim Schwimmen den Anschluss an die große Führungsgruppe und liefen so auf die Plätze 29 und 30.

Bei uns Männern lief es eben so wenig nach Plan, ich verpasst beim Schwimmen den Anschluss an die Spitze. Es ging drunter und drüber und ich hatte etwas mit dem Wellengang zu kämpfen. So befand ich mich in der großen Verfolgergruppe mit gut 30 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Nach der ersten Runde bestand unserer Gruppe aus dem restlichen Feld, doch wir verloren weiter Zeit. So richtig gut ging es mir auf dem Rad nicht, denn ich bekam irgendwie nicht vernünftig Luft. Zum Wechsel hatten wir weit über eine Minute Rückstand kassiert. Ich konnte mich wieder im vorderen Teil platzieren, doch beim Laufen passierte es... ich wurde geschnitten, mein Rad welches ich am Sattel schob, rollte vor mich in meine Laufbahn. Jetzt konnte ich nur noch loslassen und springen. Leider trat ich mit dem nächsten Schritt gegen mein großes Kettenblatt und stürzte auf mein Vorderrad. Schon beim Aufstehen spürte ich den Schmerz im Fuß. Auf das Rad gestützt ging es zum Wechselplatz. Bis ich endlich aus der Wechselzone kam, war der Rest meiner Gruppe schon locker 20 Sekunden vor mir. Auf dem ersten Kilometer hatte ich noch große Schmerzen im Fuß und konnte nicht richtig abrollen. Mit der Zeit wurde es aber besser und ich entschied mich, weiter zu laufen. Während der 10km ging es bei mir auf und ab, ich überholte und wurde wieder überholt. Eigentlich ging es nur noch darum meiner Pechsträhne zu trotzen!

Gregor und Steffen fanden im Lauf auch nicht richtig ins Rennen und kamen auf Platz 22 und 25 ins Ziel, was natürlich nicht unser Anspruch war. Ganz zu schweigen von meinem 54. Platz....!

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Ziel wollte ich weiter gehen, konnte ich nur nicht, da die Scherzen wieder da waren. Den Abend wurde es immer schlimmer.

Der Flug war bestimmt auch nicht so förderlich und so schwoll mein Fuß zu Hause auf das doppelte an. Ein kurzer Besuch beim Arzt bescherte mir ein absolutes Sportverbot. Verdacht auf bakterielle Infektion. Langsam nimmt der Fuß wieder normale Form an und ich hoffe, am Wochenende zumindest wieder mit Schwimmen und Radfahren einsteigen zu können.