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Trainingscamp Potch

Trainingscamp Potch

Für außergewöhnlich lange 5 Wochen verlasse ich dieses Mal Deutschland. Mit dem A380 geht es durch die Nacht Richtung Johannesburg. Nach einem Film und dem Abendessen um 1 Uhr nachts, versuche ich mich langsam in den Schlaf rütteln zu lassen. Mit im Gepäck, ebenfalls ganz außergewöhnlich, habe ich ein Pfefferspray. Im Vorfeld zu unserer Reise nach Potchefstroom habe ich einige Storys von Athleten gehört, die schon einmal hier waren. Darunter Berichte von Überfällen auf öffentlicher Straße, Diebstahl von Rennrädern und der Hintern weg, wildgewordenen Farmern mit Schrotflinte und so weiter und so fort. Da kann ein Pfefferspray doch vielleicht noch irgendwann nützlich werden.

 

Zu unserer Beruhigung hatten wir bei jeder Ausfahrt Begleitschutz durch einen Trainer im Auto.

Auch sonstige Storys kann ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigen, ich habe mich stets sicher gefühlt! Abgesehen von den Autofahrern, die kein bisschen Rücksicht auf Radfahrer nehmen.

Doch von vorne, im Potch angekommen galt es, die müden Knochen etwas in Bewegung zu bringen. Dabei machte sich schnell bemerkbar, dass wir uns hier auf guten 1300m Höhe befinden. Auch die Hitze tat ihr übriges, sodass es einige Tage dauerte, bis ich mich an alle neuen Gegebenheiten gewöhnt hatte.

Unser 50m Pool auf dem Campingplatz um die Ecke war perfekt um sich auf Freiwasserwettkampfe im Triathlon vorzubereiten. Die Wellen im Becken ließen einen von rechts nach links schwappen und die Strömung sorgte für extrem schnelle 50m Zeiten, in die entgegen gesetzte Richtung konnte man eher 8 Sekunden zur normalen Zeit oben draufpacken.

Wollten wir mal ruhig schwimmen, gab es die Möglichkeit den 25m Salzwasserpool im Fitnessstudio um die Ecke zu nutzen, hier rutschte es beim Schwimmen meist ziemlich gut.

Nach einer guten Woche in Potch, legte ich an einem Nachmittag die gesamte Stadt lahm.

Eigentlich wollte ich nur meinen Laptop laden, doch beim Anschließen stürzte das gesamte Stromnetz der Stadt ein und konnte erst gegen 23:00 Uhr wieder aufgebaut werden ;-)

Solange saßen wir im Dunklen bei Kerzenschein. Gut, dass unsere Unterkunft einen Gasherd und für das Nötigste ein Notstromaggregat besaß, so gab es wenigsten abends was Warmes zu essen.

Am schlimmsten war wohl, dass es mit dem Strom auch kein Wasser mehr gab und so wurde der Gartenschlauch kurzer Hand in eine Dusche umfunktioniert, „German Engeneering“, wie unser Gastgeber es nannte.

Nach der ersten Ausfahrt auf dem Rad und einem Blick auf das Straßennetz um Potch wurde mir klar, dass dies extrem abwechslungsreiche 5 Wochen werden. Es gibt hier drei Wendepunktstrecken die man fahren kann, eine davon lässt sich auf eine 125km Runde ausbauen. Eine dieser Wendepunktstrecken wurde Robert Wimmer gleich in der ersten Woche zum Verhängnis, als wir in einer sechser Gruppe unterwegs waren und auf ein Schlagloch zufuhren.

Ich denke, hier nennt man das noch so, in Deutschland würde man dies eher ein Stück fehlende Straße nennen. Unglücklicherweise war der Asphalt vor dem Loch so hochgestellt, dass man es erst im letzten Moment sehen konnte und Robert somit keine Chance hatte. Ich konnte ihn noch aus dem Augenwinkel fliegen und landen sehen, was definitiv böse aussah, glücklicherweise aber glimpflich ausging. In dem Loch floss übrigens ein kleiner unterirdischer Fluss.

Ein weiteres Erlebnis hatten wir zusammen mit dem Qhubeka Profi-Radteam. Als diese an uns vorbei rollten, entschieden wir uns auf Schlagdistanz zu bleiben, was bergan relativ hart war.

Plötzlich kam von hinten ein geisteskranker Autofahrer an, welcher wohl auch bald unter der Erde schlafen wird, denn auf dieser Strecke stirbt wöchentlich mindestens ein Autofahrer.

Dieser Selbstmordattentäter schnitt auf jeden Fall unsere Gruppe um Zentimeter und rauschte mit voller Geschwindigkeit auf das Begleitfahrzeug von Quebeck zu. Das vor dem Auto eine Radgruppe war, konnte er ja nicht sehen und war daher auch nicht auf eine Geschwindigkeit von knapp über 30km/h eingestellt. Mit einer Vollbremsung konnte er eine Kollision gerade noch vermeiden. Da gerade auch Gegenverkehr in unmittelbarer Nähe war, musste er seinen Überholvorgang abbrechen und saß wieder auf heißen Kohlen hinter der Radgruppe.

Nun ging das Kino erst richtig los, der Raser überholte ganz normal rechts und das Teamfahrzeug bretterte über den Grünstreifen auf der anderen Seite seinem Team vorbei. Es begann eine kleine Verfolgungsjagd mit vielen wilden Schlenkern und Bremsungen. Wir feierten und feuerten unseren Beschützer aus sicherer Entfernung an.

Selbstverständlich haben wir hier auch hin und wieder einen Entlastungstag, an dem wir nur Schwimmen und etwas Athletik trainieren. Klar, dass an einem solchen Tag die Dopingkontolle vor der Tür steht. Da könnte man einmal ausschlafen und muss nicht um sechs beim Training stehen, schwubs holt einen die NADA um 7 Uhr aus dem Bett. Wobei ich gerade auf der Toilette war... hab mich schon gewundert, wer da an der Tür randaliert und einfach so ins Zimmer geht. Ziemlich enttäuscht muss der Kontrolleur das Zimmer wieder verlassen haben, da Franz schon zum Krafttraining war und ich gerade meinen kostbaren Urin verschenkt hatte. Naja, nach dem Frühstück und der ein oder anderen Tasse Tee, konnte ich das Thema dann auch recht schnell abhaken.

Die Wochen rasen nur so dahin, das Training gleicht bei mir einer Achterbahnfahrt. Mal geht’s super, am nächsten Tag muss ich kämpfen. Erst in der vierten Woche wird sich das Training für mich und Franz etwas ändern, da wir am Ende der fünften Woche unseren ersten Wettkampf in Kapstadt haben. Der Rest unserer Reisegruppe wird uns schon eine Woche früher verlassen.

Doch bis dahin dauert es noch etwas ;-)