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Troutbeck

ITU Media | Arujo Wagner

Nach drei Tagen lockerer Bewegung in und um Kapstadt ging es quasi direkt weiter zum nächsten Rennen. Auf dem Heimweg stand noch ein kurzer Abstecher nach Simbabwe an. Selber war ich noch nie in Simbabwe, ich hörte nur im Vorfeld einige Infos von Athleten die bereits dort am Start waren. Es wurde uns als „The real Afrika“ angekündigt und dies kann ich auch so unterstreichen. Morgens um 4:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, gerade 1,5h vor Abflug. Aber nachts ist auch in Kapstadt nicht viel los und so waren wir entspannt 1h vor Abflug am Check-in. Über Johannesburg ging es weiter nach Harare, der einzige internationale Flughafen in Simbabwe. Dort setzten wir gegen Mittag auf und wurden herzlich vom Organisationskomitee empfangen. Zusammen mit allen anderen Triathleten, die in Troutbeck starteten, begann das große Abenteuer. 

Kurzerhand wurde ein DHL Truck vorgefahren und mit unseren Taschen und Rädern beladen. Wir Athleten begaben uns in einen kleinen Schulbus. Man fühlte sich wie auf einer Klassenfahrt oder Freizeit. Auf der langen Fahrt nach Troutbeck wurde auch für unser leibliches Wohl gesorgt, denn jeder Athlet bekam ein kleines „Fresspaket“, sowie reichlich Getränke, Bananen und Äpfel. Für die Fahrt waren 4-6h veranschlagt, man bemerke, dass die Entfernung gerade einmal 250km betrug. Auch wenn die Straßen komplett asphaltiert waren, wurde mir schnell bewusst, dass wir tatsächlich die 4-6h benötigen würden. Teilweise schlichen wir mit 30km/h hinter riesigen Trucks her oder hatten selber Mühe mit unserem Bus einen Berg hochzukommen. Nach der Hälfte der Strecke legten wir eine kleine Pause an einer sehr verlassenen Tankstelle mitten im Nirgendwo ein. Gegen Ende der Fahrt wurde es bereits dunkel und unser Bus quälte sich weiter bis auf die 2000m ü.N.N. Ziemlich genau nach 15h Reise bzw. auf den Beinen erreichten wir das Resort um 19 Uhr in Troutbeck. Da der DHL Truck noch mehr Probleme mit den Bergen hatte, mussten wir noch eine gute Dreiviertelstunde auf unser Gepäck warten. Trotz der langen Reise, bauten wir noch schnell unsere Räder auf und schwangen uns nur kurz auf die Rolle. Nach solch einem Trip tut es wirklich gut die Beine „auszuschütteln“. Anschließend bin ich einfach nur ins Bett gefallen und habe geschlafen wie ein Stein.

Am nächsten Morgen ging alles Schlag auf Schlag. Nach dem Frühstück wurde die Schwimmstrecke begutachtet, anschließen ging es direkt auf die Radstrecke und zu guter Letzt zum Briefing. Nach dem Mittagessen und einem entspannten Nachmittag absolvierten wir noch eine kleine Laufvorbelastung und begutachteten die Laufstrecken vom Cross-Triathlon, sowie von unserem eigenen Rennen. Die Crossstrecke liefen wir nur, da dies die flachste Möglichkeit zum Laufen war. Schnell kamen wir trotzdem nicht vorwärts, da es wirklich über Stock und Stein ging. Glücklicherweise sind alle Bänder heile geblieben! Keine Ahnung, wie man auf solch einer Strecke schnell laufen soll.

Unsere Wettkampfstrecke war zwar asphaltiert, doch gab es hier keinen flachen Meter, genau wie auf der Radstrecke. Es versprach ein hartes Rennen zu werden – man bedenke, wir befanden uns auf über 2000m Höhe.

Am Samstag starteten wir um 12Uhr. Entgegen aller Voraussagen schien die Sonne und es gab keinen Weltuntergang. Mit Startnummer 1 war der Druck nur geringfügig hoch, es heißt ja nicht umsonst bei jedem Rennen: „Ziel ist: Beat your number“. Wenn man die 1 hat ist das per se schon mal ziemlich schwierig.

Nach dem Startschuss knallten wir wie immer voll an! Mir zog es dann bereits nach 150m ziemlich den Stecker. Mein Körper schrie nach Sauerstoff! Auf den weiteren 150m bis zu ersten Boje musste ich mein Tempo drosseln, hielt mich dennoch im vorderen Drittel des Feldes. An der ersten Boje bekam ich dann die Füße von Max und fand mich an der 4. Position wieder. In der Zwischenzeit hatte es wohl auch bei den anderen Athleten „Peng“ gemacht, denn das Tempo tat mir nicht mehr ganz so weh. Auf dem Rückweg checkte ich die Lage nach vorne und hinten und stellte fest, dass wir eine vierer Spitzengruppe waren und hinter mir schon ein beträchtliches Loch gerissen war. Nach dem Schwimmausstieg mussten wir noch einen steilen Berg und ein paar Treppenstufen bis zur Wechselzone zurücklegen. Am Fahrrad angekommen dachte ich, ich müsste erstmal stehen bleiben. Das tat ich tatsächlich auch, aber nur um mir kurz den Helm aufzusetzen. Für mein Gefühl ging das viel zu schnell ;-)

Auf dem Rad ging es dann gleich weiter richtig zur Sache, Maximilian Schwetz befand sich ebenfalls in der Spitzengruppe und wir drückten kräftig auf’s Tempo. Bereits nach wenigen Metern verloren wir den ersten Mitstreiter. Eineinhalb Kilometer später verabschiedete sich ein weiterer und so waren wir nur noch zu zweit unterwegs. Auf dem anspruchsvollen Radkurs arbeiteten wir gut zusammen und konnten unseren Vorsprung bei etwa 1 Minute halten. In der letzten Kurve, bevor wir in die zweite Wechselzone einfuhren, verlor Max die Kontrolle über sein Hinterrad und ging einem Sturz nur um Haaresbreite aus dem Weg. Diese Aktion kostete ihn allerdings 15 Sekunden, sodass ich mit etwas Vorsprung in die Laufschuhe wechselte. Von der Laufstrecke hatte ich ja bereits berichtet, ich kann nur ergänzen: Im Wettkampf fühlt es sich nicht besser an, als im Training. Es war zu steil um den Berg schnell hoch zu laufen. Oben freute man sich, dass es endlich wieder runter geht, doch es war teilweise so steil, dass auch diese Freude nur für wenige Meter anhielt. So waren die 5km ein Wechselbad der Gefühle. Meinen Vorsprung auf die Verfolger hielt ich und konnte so meinen ersten Sieg der Saison einfahren. Trotz kleinem Ausflug auf dem Rad, konnte auch Max seinen zweiten Platz verteidigen, sodass wir einen deutschen Doppelerfolg für Team „Dan Lorang“ verbuchen konnte.

Die Rückreise ist und war ein ähnliches Abenteuer. Nachdem wir um 3:30 Uhr aufgestanden waren, ging es mit dem Bus wieder nach Harare zurück. Vorbei an ganzen Geisterstädten und  Zeltdörfern mitten in der „Botanik“. In den zwei größeren Städten waren immer die gleichen Händler an der Straße. Die Top3 waren Ziegelsteine, gebrauchte PKW und LKW Reifen (sie sahen zumindest gebraucht aus), sowie Fertighäuser. Ein Fertighaus kann man sich in etwa wie einen Gartenschuppen in Deutschland vorstellen. Am Flughafen angekommen, mussten wir noch 3h bis zum Abflug überbrücken. Auch dies haben wir überstanden, denn mittlerweile sitze ich in Johannesburg und nutze die 5h Aufenthalt für diesen Bericht.

Was bei mir als nächstes ansteht weiß ich noch nicht. Aktuell stehe ich in Abu Dhabi auf der Warteliste für das Einzelrennen. Zwar könnte ich mitreisen um auf einen Einsatz beim Team-Relay zu hoffen, doch die Startzusage wird es erst direkt vor dem Wettkampf geben, ein langer Trip für eventuell keinen Start und viel Reisestress...das muss ich mir nochmal überlegen, vielleicht greife ich auch auf Plan B zurück. Aber drücken wir erstmal die Daumen, dass ich in der Warteliste noch etwas nach vorne rutsche und die Chancen auf einen Einzelstart somit steigen.