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Von Hamburg über St. Moritz nach Berlin

Von Hamburg über St. Moritz nach Berlin

Hallo zusammen,

ich melde mich aus dem Urlaub zurück!

Kleiner Spaß, ich war natürlich nicht im Urlaub, aber in den letzten Wochen ging es doch etwas drunter und drüber. Zuletzt hatte ich mich aus Hamburg gemeldet, daher versuche ich von dort anzuknüpfen um euch mitzuteilen, was in den Wochen bis heute alles passiert ist.

 

Nach dem Team-Relay in Hamburg ging es direkt ins Auto und wir machten uns auf den weiten Weg nach Saarbrücken zurück. Drei Vollsperrungen/Staus und gute 700km später kamen wir wieder daheim an. Mittlerweile war es schon später Abend, aber der Zeitplan war eng. Erste Amtshandlung nach Rückkehr war die 30min Wäsche, direkt gefolgt vom Radkoffer packen. Danach war auch meine Wäsche bereit zum Aufhängen. Irgendwann nach Mitternacht schaffte ich es dann auf mein Zimmer, wo ich ziemlich erschöpft ins Bett fiel. Am nächsten Morgen ging es Schlag auf Schlag weiter. Koffer auspacken, der zweite Koffer stand schon halb gepackt bereit. Es mussten nur noch die letzten Sachen von der Wäscheleine geholt werden. Noch ein schnelles Frühstück und schon saß ich im Zug nach St. Moritz. Ein weiteres Höhentrainingslager von guten 3,5 Wochen stand bevor.

Die Zugfahrt verbrachte ich abwechselnd mit Schlafen, Berichte schreiben und Landschaft genießen. Ich denke, dass wir unseren Anschlusszug in Zürich verpasst haben, muss ich nicht erwähnen....“sänk ju vor Träweling wis Deutsche Bahn“.

War aber alles halb so schlimm und so kamen wir um 20 Uhr an unserem Ziel an. Auch wenn wir den ganzen Tag nur gesessen hatten, war ich ziemlich fertig. Außer Essen kochen und schlafen, schaffte ich an diesem Tag nichts mehr.

Am nächsten Morgen komplettierte sich die Gruppe: Joao Silva, Matthias Steinwandter, Johannes Vogel und Valentin Wernz. So sah unsere bunte und internationale Trainingsgruppe für das Trainingslager aus. Die ersten Tage waren ruhig, aber ich fühlte mich total platt. Zum Wochenende wurde es besser und der Trainingsumfang wurde langsam hoch geschraubt. Wir waren nicht die einzigen Triathleten in der Höhe! Unser Schwimmtraining absolvierten wir zusammen mit den Holländern, die auf männlicher Seite allerdings nur durch einen Deutschen: Maximilian Schwetz und einen Südafrikaner: Richard Murray vertreten waren. Richard Varga und Franz Löschke befanden sich ebenfalls in der Höhe und schlossen sich hin und wieder beim Training an. Dieses lief sehr gut und wir hatten auch außerhalb eine Menge Spaß. Durch unseren italienischen Gast lernten wir noch viel über die richtige Pasta, Parmesan sowie die Zubereitung einer original italienischen Carbonara.

Nach den 3,5 Wochen machten wir uns am Donnerstag auf den Weg nach Berlin, denn dort stand das letzte Bundesligarennen sowie die Deutsche Meisterschaft an. Freitag und Samstag stand noch etwas lockeres Bewegungsprogramm und eine kurze Vorbelastung an. Die Frauen hatten ihr Rennen bereits am Samstag. Wir Männer folgten am Sonntagvormittag. Gestartet wurde im Strandbad Wannsee. Besonderheit dieses Beach-Start war es, dass man fast 100m weit ins Wasser laufen konnte, bevor es tief genug zum Schwimmen wurde. Glücklicherweise hatte man aus dem Frauenrennen gelernt und die Bojen etwas weiter nach draußen gelegt, sodass wir am Ende tatsächlich 750m schwammen und keinen Duathlon mit drei Meter schwimmen absolvierten. Mein Start war nicht besonders gut und auch auf dem Weg zur ersten Boje hatte ich Probleme mich frei zu schwimmen. An der ersten Boje ging es dann richtig zur Sache, ich kam vermutlich gerade noch rechtzeitig rum, bevor sich alle auf die Nase hauten. Auf dem Rückweg versuchte ich,  meine Position noch ein wenig zu optimieren. Am Ende saß ich sicher in der ersten Radgruppe. Der Weg durch den tiefen Sand und die anschließenden 100 Stufen zur Wechselzone taten ihr übriges zur Selektion bei. Auf dem Rad bildete sich eine große Spitzengruppe die auf den ersten 15km bis zum Olympiastation gut harmonierte. Dort angekommen, konnte oder wollte aber niemand mehr vorne fahren. Unser Vorsprung von 20 Sekunden drohte zu schwinden.  Irgendwie schafften wir es aber mit einer kleinen Lücke in die zweite Wechselzone. Dort begann dann mein ganz persönliches Drama. Auf halbem Weg zu meinem Wechselplatz war ich für einen Moment unachtsam, verriss meinen Lenker und trat mit dem linken Fuß in mein Vorderrad. In dem Moment bekam ich dies nicht mit. Rückblickend habe ich mir wohl meine Messerspeiche zwischen den großen Zeh und dem daneben gerammt. Wie der Name Messerspeiche schon sagt, ging diese durch meinen Fuß wie Butter. Zudem luxierte ich mir den großen Zeh bei dieser Aktion. Das alles merkte ich erst am Wechselplatz, als ich meine Schuhe anziehen wollte, der große Zeh aber so abstand, dass ich den Schuh nicht anbekam. Wütend über mich selber pfefferte ich den Schuh in die Ecke. Was dann geschah, kann ich nicht mehr genau sagen, jedenfalls nahm ich den Zeh, zog einmal dran und renkte mir diesem damit wieder ein. Jetzt passte auch der Laufschuh wieder und ich konnte mich auf den Weg für die 5km Laufen machen. Ich musste jedoch schnell einsehen, dass Laufen nicht mehr möglich war und so stieg ich nach etwa 300m aus dem Rennen aus. Erst nachdem ich auf dem Bürgersteig lag und den Schuh ausgezogen hatte, merkte ich das etwas nicht stimmte. Meine Aussage „Ich guck jetzt mal lieber nicht hin“ wurde mir zustimmend bestätigt. Bis dahin wusste ich nicht, dass ich mir eine tiefe Schnittwunde mit der Speiche zugezogen hatte. So endete also meine DM im Krankenhaus. Am späten Nachmittag, also einen guten halben Tag später durfte ich das Krankenhaus mit genähtem Fuß, einem Gips und zwei Krücken wieder verlassen. Gebrochen war nichts, den Rest würde das MRT zeigen. Meine geplante Reise zum Testevent nach Tokio war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls gestorben.

Die nächsten Tage verbrachte ich mit MRT und Röntgenaufnahmen, sowie bei Ärzten und Physiotherapeuten. Leider stelle man fest, dass doch etwas mehr kaputt gegangen war. Dies bestätigte sich nun in einer Nachkontrolle vor wenigen Tagen. Neben kleineren Verletzungen ist das Hauptproblem der sogenannte „Turf Toe“, bedeutet für mich insgesamt 6 Wochen Laufpause.

Mittlerweile kann ich aber wieder Radfahren und etwas Armeschwimmen. Mitte September darf ich meine ersten Laufversuche wagen. Wenn bis dahin alles gut geht, möchte ich im Oktober noch den ein oder anderen Wettkampf absolvieren.