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Von Mexico über Berlin in die Offseason

(c) Marcel Hilger

Nach meinem kurzen Ausflug auf die Mitteldistanz habe ich etwas Zeit gebraucht, um mich muskulär wieder zu erholen. Doch pünktlich eine Woche vor meinem geplanten Start in Huatulco/Mexico war die Frische wieder da und ich bereit für einen Wochenendausflug über den großen Teich. Am Donnerstagvormittag machte ich mich auf die Abenteuerreise, welche schon auf dem Weg von Saarbrücken nach Frankfurt sehr abenteuerlich begann.

Das Saarland nimmt ja bekanntlich jeden Feiertag mit, den man so bekommen kann - in Kombination mit dem 9€ Ticket bedeutete dies Chaos. So stieg ich noch nichts ahnend mit meinem Radkoffer in Saarbrücken in den Zug. Schon nach zwei weiteren Stationen war der Zug rappelvoll, es wurden auch keine Fahrräder mehr ins Fahrradabteil gelassen, da hier schon zwei Junggesellenabschiede auf dem Weg nach Hamburg feierten. Mit jeder weiteren Station wollten mehr und mehr Menschen in den Zug, aber niemand wollte aussteigen. Mann gut, dass ich meinen Platz hatte und mein Rad irgendwo von der angetrunkenen Gesellschaft bewacht wurde. Aufgrund der hohen Auslastung summierte sich die Verspätung Richtung Flughafen auf etwas über 30min auf, doch es war genügend Zeitpuffer eingeplant. Frühzeitig vor der Station Flughafen begann ich mir den Weg Richtung Radkoffer freizukämpfen und organisierte mir die beiden selbst ernannten „Chefs“ - der eine war Heiko „Weizenbier Beauftragter“, der andere „Torben - Tornado“. Dies konnte ich zumindest ihren Shirts entnehmen. Nun wurden sie kurzerhand zu „Justus Gepäckesel“ zweckentfremdet und sorgten für den freien Weg Richtung Tür. Auf dem Bahnsteig kommentierte der Schaffner mein erleichtertes Durchschnaufen mit einem Grinsen. Er hatte sich mittlerweile auch im hinteren Triebwagen verschanzt und schaute nur noch aus seinem Fenster, innen war eh kein Durchkommen mehr.

Meine erste Station nach Frankfurt war Mexico City. Hier musste ich eine Zwangspause am Flughafen einlegen, da erst am nächsten Morgen ein Flieger nach Huatulco ging. Die Nacht war sehr durchwachsen und so war ich froh als ich Freitags um 5 Uhr weiter an mein Ziel reisen durfte.

Im Hotel in Huatulco angekommen schaffte ich es sogar noch zum Frühstück, bevor ich meine Sachen auspackte und mich auf den Weg zur Besichtigung der Schwimmstrecke machte. Hier sprach sich auch recht schnell rum, dass einige Athleten die bereits länger vor Ort waren, mit Magenproblemen zu kämpfen hatten. Meinem Zimmerkollegen ging es nach und nach leider auch immer schlechter, wir separierten uns aber im Schlaf und Wohnzimmer. Samstag stand ebenfalls nur etwas Bewegung und eine kurze Aktivierung auf dem Programm.

Sonntag um 8:00 Uhr stand ich dann am Strand von Mexico, ready to race - dachte ich!

Schon beim Schwimmen fühlte ich mich extrem kraftlos, dies war aber noch nicht so schlimm, denn der Kurs war bekannt dafür, dass es am Ende eh immer eine große Radgruppe gibt. So auch in diesem Fall.

Auch auf dem Rad hatte ich keine Kraft mich zu positionieren, sodass ich irgendwo mitten im Feld vom Rad stieg und in die Laufschuhe wechselte. Die abschließenden 5km kamen mir ewig lang vor, von der Pace glich der lauf einem gemütlichen Sonntagsläufchen. Keine Ahnung wo ich am Ende landete, auf jeden Fall war der Trip so ziemlich für die Katz gewesen.

Zurück im Hotelzimmer verspürte ich einen etwas unwohlen Magen. Es dauerte nicht lange und ich verbrachte mehr Zeit auf der „Schüssel“ als mit Klamotten packen, denn bereits um 12:00 Uhr ging der Shuttle zum Flughafen.

Nachdem der Shuttle um 12:30 Uhr immer noch nicht da war und ich den Flieger schon ohne mich nach Mexico City abheben sah, winkte ich mir das nächste Taxi herbei. Der Fahrer war in seinem letzten Leben glaube ich Rallye Fahrer. Wir brauchten gerade mal die Hälfte der Zeit, die Google Maps mir für den Weg berechnet hatte. So konnte ich doch noch ganz entspannt einchecken und erreichte meinen Flieger.

In Mexico City musste ich erstmal die nächste Apotheke am Flughafen aufsuchen, damit ich den langen Flug nach Frankfurt irgendwie überstehen konnte.

Als wir in Frankfurt aufsetzten war es bereits Montagmittag, mein Magen war noch immer flau, ich war müde und kaputt von der Reise.

Da am kommenden Wochenende bereits die DM in Berlin anstand, machte ich mich noch direkt weiter auf den Weg nach Berlin. Am späten Abend erreichte ich mein Hotel und fiel einfach nur noch ins Bett. Bis zum Rennen passierte nicht mehr viel bei mir. Ich versuchte meine Magenprobleme unter Kontrolle zu bekommen und etwas Energie aufzunehmen. Am Donnerstag gelang uns ein sehr guter Einstieg in die Finals, wir erkämpften uns den Deutschen Meister Titel im Mixed Relay. Am Sonntag folgte dann ein solides, aber kein überragendes Rennen im Einzel. Mir fehlten weiterhin die Körner…

Erst 2,5 Wochen nach meiner Mexico Reise beruhigte sich mein Magen endlich wieder. Die Müdigkeit blieb. Eigentlich sollte mein nächstes Rennen das WTS Rennen in Hamburg werden, doch den Dienstag vor dem Rennen entschied ich am Abend zusammen mit meiner Trainer Dan Lorang, Hamburg abzusagen und eine kurze Saisonpause einzulegen. Keine leichte Entscheidung, da ich damit auch meine Chance auf die EM in München verspielte. Am Ende war es aber zu 100% die richtige Entscheidung, ich war einfach durch.