Justus Nieschlag - mein Blog

 

Was war eigentlich in den letzten drei Monaten?

Was war eigentlich in den letzten drei Monaten?

Ich habe nun doch schon eine ganze Weile nichts von mir hören lassen. Mit diesem Beitrag möchte ich euch kurz auf den aktuellen Stand bringen. 

Eigentlich begann das „Drama“ mit dem WTS Rennen auf Bermuda. Nach der langen Reise verspürte ich bereits die ersten Schmerzen in meiner linken Achillessehne. Bereits letztes Jahr hatte ich damit zu kämpfen, bekam das Problem aber mit Physio und Exzentrik schnell unter Kontrolle und konnte meine Saison weiter fortführen. So nahm ich die bekannten Maßnahmen wieder auf bzw. intensivierte diese. Das Rennen auf Bermuda lief, wie in einem meinem letzten Blog geschrieben, nicht nach meinen Vorstellungen.

Am Morgen nach dem Rennen ging es der Sehne natürlich nicht besser. Der Zustand hatte sich deutlich verschlechtert ein lockerer Lauf vor Abflug war nicht möglich. Zurück in Deutschland blieb nicht viel Zeit bis zum nächsten Rennen in Yokohama. Die Ursache für meine schlechte Leistung war schnell gefunden, Yokohama sollte also besser werden. Die Sehne bekam ihre Ruhe, ich lief auf dem AlterG (Anti-Gravity Laufband) um die Belastung zu reduzieren und mit den bekannten Maßnahmen wie Exzentrik wurden die Schmerzen weniger. Die Vorbelastung lief ich ebenfalls auf dem AlterG. Die letzten Tage vor dem Rennen in Yokohama stimmten mich positiv. Das Rennen lief auch tatsächlich deutlich besser als auf Bermuda. Schwimmen war gut und beim Radfahren hatte ich wieder meine gewohnte Power auf dem Pedal. Doch der Lauf verlief aber alles andere als positiv. Teilweise spürte ich die Sehne beim Laufen. Wenn man im Wettkampf orthopädische Probleme bekommt, ist das meist kein so gutes Zeichen. Denn normalerweise sollte man im Wettkampf ganz andere Probleme haben - ganz nach dem Motto: Schmerz mit einem größeren Schmerz betäuben. Scheinbar war die Sehne der größte Schmerz und so war die Laufleistung unterirdisch. Wenn man Schmerz verspürt, kann man auch nicht 100% Belastung auf die Stelle geben. Dies spiegelte sich in der Leistung wieder. Ich musste wieder feststellen: mit 95% brauche ich in der WTS nicht an den Start gehen. Da sieht man kein „Land“. Die Nachbereitung der Sehne nach dem Rennen war gut, sodass es morgens auch nicht so schlimm wie nach dem Rennen auf Bermuda war. Dies stimmte mich fast positiv. 

Von Yokohama ging es mit einem kurzen Stopp in Düsseldorf direkt nach Fuerteventura. Dort wollte ich eigentlich nochmal einen guten Trainingsblock setzen. Physiotherapeutisch war ich mit Alex Böer aus der Sportsmed Saar bestens versorgt. Erst hier zeigten sich meine ganzen Defizite und Baustellen auf, denn in den knapp drei Wochen waren jegliche Laufversuche gescheitert. Einzige Möglichkeit war das Curve Laufband. Ein, wie der Name schon sagt, kurvenförmiges Laufband. Hier konnte ich einige Meter zurücklegen, den Rest absolvierte ich über Aquajoggen und den Crosstrainer. Immerhin konnte ich die Zeit sinnvoll nutzen und einen guten Schwerpunkt im Schwimmen und Radfahren setzen. 

Zurück in Deutschland begannen die medizinischen Checks mit Ultraschall und MRT. Dabei kam nichts Neues raus, zumindest nichts, was ich nicht schon ahnen konnte. Wie letztes Jahr befand sich Flüssigkeit in der Sehne, ansonsten lag aber kein struktureller Schaden vor.

Nach einer Zwangspause von einer Woche nahm ich das Schwimm-, Rad- und Athletiktraining wieder auf. Laufmeter wurden, wenn überhaupt, auf dem AlterG mit sehr geringer Belastung absolviert.

Mittlerweile war mir klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann und ich professionelle Hilfe brauchte um das Grundproblem, sprich die Ursache anzugehen. Es hilft ja nichts, das Problem zu bekämpfen, wenn die Ursache dafür sorgt, dass ich ein halbes Jahr später wieder von vorne anfangen muss. 

Ich entschloss mich mit den beiden Physiotherapeuten der Sportsmed Saar, Sabrina Hoppe und Alex Böer, zusammen zu arbeiten. An dieser Stelle natürlich auch ein Dank an ihre Vorgesetzten, die dem Projekt nicht im Wege standen! 

Sabrina kümmert sich seitdem um die Koordination der Rehamaßnahmen wie das Athletiktraining, die richtigen Laufschuhe oder die Planung für den Wiedereinstieg ins Laufen in enger Abstimmung mit meinem Trainer Dan. Alex sorgt dafür, dass ich immer geschmeidig bleibe, bzw. überhaupt erstmal locker werde. Nun hatte ich endlich wieder einen Plan und damit auch ein Ziel. Das war extrem wichtig, gerade auch für meinen Kopf. Das Team harmonierte wunderbar und so stellten sich auch die ersten Erfolge ein. Das Heimrennen in Hamburg musste ich trotzdem erstmal sausen lassen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir auch einen soliden Stand erarbeitet, sodass ich mein geplantes Höhentrainingslager in St.Moritz umsetzen konnte. Die Reha / das Athletiktraining war weiterhin über Videokonferenz abgesichert, die Physiotherapie organisierte ich vor Ort.

Was besseres konnte mir nicht passieren. Ich freute mich dermaßen auf das Trainingslager, denn auch die letzten zweimal als ich hier war, kam ich befreiter und damit stärker zurück.

Auch dieses Jahr war und ist (es sind noch ein paar Tage) es wieder ein super Trainingslager. Einen nicht unerheblichen Anteil hat auch dieses Jahr wieder die Gruppe, bestehend aus Steffen Justus, Tobias Blum (Marathonläufer) und natürlich meine bessere Hälfte: Lina <3

Auch wenn die Fortschritte wirklich sehr gut sind, kommt ein Start bei der EM in Glasgow noch etwas zu früh für mich. Ich hatte mich zwar schon riesig darauf gefreut, aber wir wollen die gute Richtung des aktuellen Prozesses nicht zu früh unterbrechen. Die Reha ist langfristig ausgerichtet, aber mein Comeback zum WTS Rennen in Montreal scheint sehr realistisch. Bis dahin bleib ich fleißig und freue mich, endlich wieder ein Rennen zu bestreiten. 

Hinterlasse mir einen Kommentar

Du kommentierst als Gast.