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WC New Plymouth

ITU Media | Jo Caird

Der Weltcup in New Plymouth war sicher nicht meine erste Wahl, doch da ich in Abu Dhabi nicht auf die Startliste gekommen bin, musst schnell ein Plan B her um weiterhin wichtige Punkte für das Olympic-Ranking zu sammeln. Plan B bestand dann aus einem Wochenend-Trip nach Neuseeland. Für eine solche Reise gibt es zwei Optionen, entweder macht man sich frühzeitig auf den Weg um die Zeitumstellung komplett zu bewältigen oder man fliegt ganz kurz vorher über den Teich. Ich entschied mich für die kurzfristige Reise. Trotzdem begann ich bereits in Deutschland meinen Tagesrhythmus etwas nach hinten zu verlagern, sodass der Weltcup nicht mehr nachts um 1:15 Uhr deutscher Zeit stattfand, sondern für meinen Körper erst später Abend war.

 

Am Mittwoch vor dem Rennen machte ich mich auf die lange Reise von gut 30h ans andere Ende der Welt. Von Frankfurt ging es über Singapur nach Christchurch und weiter nach New Plymouth. Erst am Freitagnachmittag Ortszeit traf ich ein. Untergebracht war ich bei einer Gastfamilie, die mich direkt am Flughafen abholte. Zu Hause eingetroffen, baute ich schnell mein Rad auf und drehte eine kleine Runde durch die wundervolle Landschaft von Neuseeland. Viel Zeit war nämlich nicht, denn direkt im Anschluss ging es schon zum Briefing in die Stadt. Nach dem Abendessen mit meiner Gastfamilie fiel ich erschöpft ins Bett und schlief wie ein Stein. Am nächsten Tag stand die Besichtigung der Rad- und Schwimmstrecke an. Morgens um 7:30 Uhr, die Sonne war gerade aufgegangen, ging es über den welligen Radkurs. Am Mittag stand eigentlich die Besichtigung der Schwimmstrecke an, doch wir durften nicht ins Wasser da ein fieses Bakterium festgestellt wurde. So verlegten wir unser Schwimmen kuzerhand ins Freibad. Am Nachmittag folgte noch die Vorbelastung fürs Laufen und zack kämpfte ich wieder ohne Ablenkung gegen den Jetlag ;-)

Am Sonntag ging es dann endlich zur Sache. Glücklicherweise war die Wasserqualität wieder gut, sodass auch ein Triathlon und kein Duathlon stattfand.

Gestartet wurde am Strand, die ersten Meter der Schwimmstrecke wurden daher zu Fuß zurück gelegt. Starker Wind sorgte für reichlich Wellengang auf der Schwimmstrecke. Nach einem soliden Schwimmen befand ich mich im vorderen Drittel des Feldes wieder. Auf der Radstrecke formierte sich schnell eine größere Spitzengruppe. Von hinten drohte keine wirkliche Gefahr, einige Attacken am Berg hielten das Tempo in unserer Gruppe hoch, sodass niemand von hinten mehr aufschließen konnte. Ich vermute, nach der Radstrecke gingen wir alle mit etwas angeschlagenen Beinen auf die Laufstrecke. Mein zweiter Wechsel lief leider nicht wie gewünscht, ich fand mich aber trotzdem in der Verfolgergruppe. Vorne war uns ein Australier enteilt, dahinter kämpfte eine fünf Mann starke Gruppe um die weiteren Podiumsplätze. Darunter auch ich. Es war ein ähnliches Szenario wie bereits beim Weltcup in Kapstadt. Bis zur letzten Runde schafften wir es weder, nach vorne aufzuschließen, noch konnte sich ein Athlet aus unserer Gruppe lösen. Geschlossen gingen wir auf die letzten vielleicht 500m. Kurz vor dem Ziel war wie jede Runde noch ein kleiner Hügel in der Strecke eingebaut. Abwärts schob ich mich an die Spitze der Gruppe. Unten angekommen waren es vielleicht noch 300m zu laufen. Ich forcierte zum ersten Mal das Tempo, lies mir aber noch etwas Luft nach oben, es waren ja noch einige Meter bis zum Ziel. Ich wollte es diesmal unbedingt besser als in Kapstadt machen, wo ich aus der Gruppe den Sprint verlor und leider auf dem 5. Platz landete. Wie geahnt, kam kurz vor dem Ziel der Konter. Da ich mir aber ein paar Reserven gelassen hatte, zündete ich nun die zweite Stufe meiner Attacke und ging all-out. Diesmal reichte mein Bumbs in den Beinen, ich gewann den Sprint und sicherte mir den zweiten Platz! Was für ein Rennen, nach einer solchen Anreise. Erst kurz nach dem Ziel kam so langsam die Müdigkeit wieder durch. Die nächste Nacht bekam ich kein Auge zu, mein Flieger zurück ging auch direkt morgens um 6 Uhr. Der erste Flug war aber nur ganz kurz. Leider hatte ich nicht das Glück wie auf der Hinreise, dass alle Flüge ohne großen Zwischenstopp waren. In Christchurch waren es 4h Aufenthalt, die gingen aber schnell vorbei. Mit dem Taxi fuhren wir in die Stadt in ein Sport Center und gingen etwas schwimmen. Zurück war es nur noch 1h bis Abflug. Auf dem Flug fielen mir dann auch endlich mal die Augen für zwei oder drei Stunden zu. In Singapur hatten wir 6h Aufenthalt. Das war schon nicht mehr lustig. Auch dort begaben wir uns ins Schwimmbad vom Flughafen. Allerdings war ich so fertig, dass mir bei 27 Grad Außentemperatur und einer Luftfeuchtigkeit zum Trinken, die ganze Zeit kalt war. Irgendwie ging die Zeit dann doch rum und es ging auf den letzten Flugabschnitt mit 12,5h. Hier bekam ich endlich eine Mütze Schlaf und fühlte mich nach 6h Ruhe fast ausgeschlafen. Die nächsten Tage in Deutschland waren zäh und geprägt von Dauermüdigkeit und unterirdischen Trainingsleistungen. Die letzten 10 Tage hatten mich wohl endgültig eingeholt. Nach und nach erholte ich mich, pünktlich zum nächsten Abenteuer! Höhentrainingslager Sierra Nevada. Dorthin machte ich mich am Mittwoch 10.04 auf. Leider habe ich es auch erst hier oben geschafft, diese Zeilen zu schreiben, daher entschuldigt bitte die Verspätung! Hier werde ich nun bis zum Weltcup Madrid am 05.05. meine Zeit verbringen und versuche euch danach zeitnah zu berichten.

Feuer frei und frohes Schaffen!

Justus