Justus Nieschlag - mein Blog

 

Weltcup Huelva

Weltcup Huelva

Mein letztes ITU-Rennen für diese Saison sollte der Weltcup in Huelva werden. Diesmal wieder im Einsatz der Nationalmannschaft, nicht wie noch vor einigen Wochen beim WTS Rennen in Stockholm. Doch davor ging es für Sophia und mich noch ein paar Tage nach Potsdam. Hier stand von Mittwoch bis Freitag die Klausurtagung der DTU an. Es wurden also die Weichen für die kommende Saison und die olympischen Spiele 2020 gestellt. Am Freitag ging es dann in aller Früh nach Schönefeld, um von dort nach Faro zu fliegen. So kam ich in den Genuss, einen Blick auf die "Geisterstadt" BER zu werfen. Schon ein trauriger Anblick, aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt! 

 

Im Faro gelandet ging es mit dem Auto weiter nach Spanien bevor wir nach einer langen Reise endlich in Punta Umbria ankamen. Dies war die Stadt, in welcher der Schwimmstart erfolgen sollte. Das Ziel befand sich im 20km entfernten Huelva. Dorthin mussten wir auch zum Briefing, doch vorher wollten die eingerosteten Gelenke einmal bewegt werden. Bei mittlerweile ungewohnt hochsommerlichen Temperaturen ging es mit dem Rad immer an der Küste entlang. Kein Vergleich zu den letzten Ausfahrten bei 9 Grad und Regen oder dem "Hometrainer". Anschließend ging es nun zum Briefing, mit dem Plan, im Anschluss gleich was zu essen. Wir vergaßen aber den spanischen Lifestyle...um 19 Uhr sind die Spanier gerade mit ihrem Mittagessen durch und niemand denkt an Abendessen. Auch unser Deutsch-Spanier Lasse Lührs konnte uns nur die Bestätigung einholen, dass es frühestens ab 21 Uhr was zu beißen geben würde. Der erste Hungertot wurde somit im nächsten Supermarkt abgewendet, bevor wir uns um 21 Uhr in unserem Dorf auf eine neue Suche machten. 

Am nächsten Tag wurden die Wettkampfstrecken ausgekundschaftet. Aufgrund der Gezeiten würde unsere Schwimmstrecke deutlich weiter ins Meer gelegt werden, was den Weg in die Wechselzone um gute 70m im Vergleich zu den Frauen verlängern sollte. Aber jeder weiß: läuft sich ja easy auf nem Strand ;-)

Zur Besichtigung der Radstrecke mussten wir wieder nach Huelva fahren. Den Zubringer konnten wir nicht befahren, da dieser über die Autobahn führt. Zumindest waren wir den Weg nun schon vier Mal mit dem Auto abgefahren. Der Stadtkurs war dann sehr technisch mit einigen Kurven, Kopfsteinpflaster und einem kleinen Anstieg versehen. Also wirklich spannende und abwechslungsreiche vier Runden die wir zu absolvieren hatten. 

Am Wettkampftag erwartete uns glücklicherweise ein eher ruhiger Wellengang. Der Start erfolgte vom Strand und das Meer wurde nur langsam tiefer. Nach der ersten Boje hatte ich mich an der dritten Position einsortiert und konnte sehr befreit schwimmen. Nach der ersten Runde erfolgte ein Landgang, gefühlt mussten wir 100m rauslaufen, um anschließend 100m wieder ins Meer zurück zu laufen. Ganz so weit war es sicher nicht, aber auf einer Schwimmstrecke finde ich jeden Laufmeter einen Meter zu viel. Wenigsten konnte ich mich auf diesem Abschnitt an die zweite Position setzen. Nach dem Weg in die Wechselzone und einem schnellen Wechsel hatte ich mich zusammen mit einem Spanier von den Verfolgern abgesetzt. Einige Meter versuchten wir unsere Flucht, entschieden uns aber, auf die große Gruppe zu warten. So formierte sich eine 11-Köpfige Spitzengruppe. Auf der Autobahn rollte es richtig gut und wir harmonierten bestens. Nach 20km erreichten wir Huelva und begaben uns auf den Stadtkurs. Hier fingen nun einige Athleten an, sich zu verstecken. Immerhin sorgten wir noch zu fünft dafür, dass unser Vorsprung nicht zu sehr schmolz. Ich wusste, dass ich auch nach einem harten Radfahren noch gut laufen kann. Also zeigten wir keine falsche Scheu und ärgerten die anderen Athleten nach Kurven und Wendepunkten etwas :-).

Nach dem Wechsel in die Laufschuh marschierte ich erstmal ohne Rücksicht auf Verluste los. Die ersten zwei Runden blieb mein kleiner Vorsprung auf die Verfolger konstant. In der dritten Runde wurde es nochmal spannend, da McDowell fast zu mir aufgeschlossen hatten. Doch nach 7,5km an der Spitze verspürte ich wenig Lust, diese wieder abzugeben. Auf den letzten 2,5km versuchte ich also, nochmal einen Schritt zu zulegen, was mir scheinbar auch gelangt, denn bereits am ersten Wendepunkt konnte ich sehen, dass der Vorsprung wieder auf eine beruhigende Größe angewachsen war. Ich lief hier tatsächlich meinem ersten Weltcup Podium und noch besser meinem ersten Weltcup-Sieg entgegen. 

Bei meinen deutschen Mitstreitern lief es leider nicht nach Plan. Sophia stürzte auf der Radstrecke, konnte das Rennen jedoch fortsetzen und kämpfte sich trotz alledem noch auf einen starken 13. Platz. Lasse Lührs und Jonathan Zipf kamen mit der dritten Radgruppe aus dem Wasser, doch fehlte nach einer langen und kräftezehrenden Saison etwas die Frische. Sie kamen auf den Plätzen 31 und 26 ins Ziel. 

Ich denke eine hartverdiente aber auch wohlverdiente Saisonpause für alle steht an.

Bei mir geht's noch bis Mitte Oktober weiter, das Feuer brennt noch! :-)

 

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