Mein Blog

 

Weltmeisterschaft Beijing

Schon 9 Tage vor dem Wettkampf hob der Flieger vom Frankfurter Flughafen Richtung Peking ab. Durch die Zeitverschiebung landeten wir einen Tag später, am Samstag den 3.9.

Schon die Busfahrt zum Hotel war ein großes Abenteuer, denn unser Gepäck wurde mit einem extra Transporter, den in Deutschland wohl kein Schrotthändler mehr angenommen hätte, zum Hotel gebracht. Nach dem Transfer zum Hotel war mir dann auch klar, warum man in China unbedingt einen chinesischen Führerschein braucht. Überholt wird einfach auf der rechten oder linken Seite, je nach dem, wo gerade Platz ist. Eine rote Ampel bedeutet: Man kann ja trotzdem mal versuchen abzubiegen und sich irgendwo reindrängen, vorsichtig wird bei Grün gefahren. Und die Hupe in China wird einfach anstatt des Blinkers betätigt.

 

Unser Hotel war sehr beeindruckend und wurde durch ein großes Rolltor und zwei Wachen geschützt. Nachdem die Räder aufgebaut waren, wurde gleich eine Erkundungstour zur Wettkampfstrecke gestartet, damit keine Müdigkeit durch die Zeitverschiebung aufkommen konnte. So sollten wir uns schnell an den neuen Tagesrhythmus gewöhnen.

Das nächste Abenteuer, was es zu bewältigen galt, war der Einkauf. Neben den berüchtigten Hühnerfüßen gab es noch eine Vielzahl von anderen schrecklichen Dingen zu kaufen. Eine Verständigung mit der einheimischen Bevölkerung, egal in welcher Sprache, war fast unmöglich. Da war Improvisationskunst gefragt und schauspielerische Fähigkeiten zur Aufführung von Pantominen.

Neben der Vorbereitung auf den Wettkampf wollten wir auch etwas vom Land zu sehen bekommen. Die chinesische Mauer lag praktisch direkt um die Ecke, doch es bestand Besuchsverbot für uns Triathleten, da sich dort vor Jahren ein Athlet so dicke Beine gelaufen hat, dass im Wettkampf nichts mehr ging. Also beschloss eine kleine Gruppe nach Peking in die City zu fahren, um sich dort ein wenig umzusehen. Wir besuchten den Platz des himmlischen Friedens, die verbotene Stadt sowie den Silk Market. Mehr Sightseeing war leider nicht drin...

Die erste Frage, die mir jedes Mal gestellt wird lautet: Wie war denn eigentlich die Luft dort in China?                 In Peking direkt kann man bestimmt nur selten den blauen Himmel oder die Sterne sehen, doch bei uns in Changping, etwas außerhalb, gab es auch den einen oder anderen schönen Tag mit frischer Luft. Ausgerechnet am Tag der Laufvorbelastung war der Smog am schlimmsten. Es war sehr warm und die Luft war richtig dick, sodass man den Hügel direkt hinter unserem Hotel nicht mehr sehen konnte. Ein Glück, dass es zum Wochenende regnete und alle Athleten bei frischer Luft an den Start gehen konnten.

Der Wettkampftag:

 

Da unser Start erst am Nachmittag war, konnten wir am Sonntag noch ausschlafen, gemütlich frühstücken und anschließend eine kleine Runde laufen gehen, damit wir in Schwung kamen. Anschließend hieß es dann Zeit totschlagen, was uns nach dem Mittagessen auch super möglich war, wir konnten das Frauenrennen bequem live im chinesischen Fernsehen verfolgen. Als es dann endlich losging und wir uns auf den Weg zur Wettkampfstrecke machten, stieg die Aufregung das erste Mal über alle Grenzen, ein richtig cooles Gefühl! Nachdem wir durch die Sicherheitsschleuse, die wie auf einem Flughafen mit Gepäckdurchleuchtung erfolgte, gelangt waren, ging es zum Uniform-Check in der Athleten-Lounge. Anschließend ging alles ganz schnell. Wir liefen uns warm, richteten die Wechselzone ein und hatten noch ein paar Minuten, um uns einzuschwimmen. Kurz vor dem Start wurden wir noch mit Vaseline eingeschmiert, damit auch jede Berührung eines Gegners bestraft wurde. Nach der ausgelosten Reihenfolge der Startnummern konnten wir uns einen beliebigen Platz auf dem Ponton sichern. Mit der Startnummer 68 war ich bei den 70 Startern einer der letzten und musste sehen, wo noch Platzt war. Doch ich hatte Glück und ergatterte einen Platz relativ weit links, sodass die Innenkurve an der ersten Boje möglich war. Der Start verlief problemlos, ich wurde nicht getaucht oder gestoßen und konnte mich voll auf das Schwimmen konzentrieren.  So stieg ich als dritter aus dem Wasser und ging mit einer ca. 8 köpfigen Gruppe auf die Radstrecke. Der Hügel ließ nicht lange auf sich warten und die Gruppe fuhr dort hoch, als wenn der Wettkampf oben vorbei wäre. Ich muss zugeben, ich war froh als wir oben waren und es für ein Stück bergab ging. Die Radrunde musste dreimal gefahren werden. Die Gruppe arbeitete einigermaßen gut zusammen, sodass unser Vorsprung von 40-45 Sekunden erst auf der letzten Runde zu schmelzen anfing . Nach einem zweiten, schnellen Wechsel konnte ich als erster die Wechselzone verlassen. Die Beine waren von der welligen Radstrecke schon ein wenig angefressen und die Laufstrecke hatte es auch in sich. Also kontrollierte ich das Tempo auf der ersten halben Runde, bis es Verzbicas wohl zu langweilig wurde und er nach vorne wegstürmte. Ende der zweiten Runde verschärfte ich dann auch das Tempo und merkte, dass die Konkurrenten Probleme hatten. Ich konnte meinen Vorsprung auf ca. 100m ausbauen, den ich dann im Zielkanal verbummelte, um das ganze Spektakel zu genießen.