Justus Nieschlag - mein Blog

 

WTS Bermuda

WTS Bermuda

Mein zweites Rennen führte mich nach Bermuda. Nicht gerade um die Ecke, wie man mit einem Blick auf die Weltkarte feststellen kann (vorausgesetzt man findet den kleinen Punkt im Atlantischen Ozean). Über Charlotte und Miami ging es in gut 22h bis nach Hamilton, die Hauptstadt Bermudas mit gut 1000 Einwohnern.

Die Tage vor dem Rennen verbrachten wir mit ein wenig Bewegung, Akklimatisierung, Streckenbesichtigung und einer Vorbelastung. Soweit verlief alles bestens und es war eine gute Idee, sich vorher mit den Strecken vertraut zu machen, denn es gab einige Besonderheiten. Der Schwimmstart erfolgte von einer Kaimauer im Hafenbecken. Neu hierbei: es wurden Fähigkeiten als Turmspringer vom Dreimeterbrett abverlangt. Prinzipiell kein Problem, aber jeder Bademeister hätte wohl einen Herzinfarkt bekommen. Auf der zweiten Schwimmrunde springt man nämlich erneut von der Mauer und zwar direkt den Füßen seines Vordermannes hinterher. Da kann man das mulmige Gefühl nur runterschlucken und hoffen, dass der Vordermann zusieht aus der Gefahrenzone zu kommen – könnte sonst für beide Parteien schmerzhaft enden. Glücklicherweise verlief alles ohne Zwischenfall. Die Radstrecke war technisch nicht besonders anspruchsvoll, allerdings war zehn Mal ein Hügel von 240m Länge zu erklimmen. Am Anfang war dieser etwas steiler, flachte dann aber zum Ende etwas ab. Ich würde sagen, die Dauer und Häufigkeit  waren hier entscheidend. Die Laufstrecke war ähnlich, vorwiegend flach und ein kurzer aber steiler Anstieg wartete jede Runde auf uns.

Die letzten Einheiten verliefen gut, genau wie die Vorbelastung. Somit dachte ich, alles wäre ready und im race-mode. Leider musste ich am Renntag dann eines andern belehrt werden. Schon kurz nach dem Start ging mir durch den Kopf „ohweh, das wird hier heute ne ganz harte Nummer für dich“. Die Arme waren leer, ich konnte mich einfach nicht ausbelasten und so kämpfte ich mich über die Strecke. Nach mäßigem Schwimmen musste natürlich erstmal die Lücke nach vorne geschlossen werden...harte Nummer. Als wir nach der dritten Runde endlich aufgeschlossen hatten, war die erste Gruppe ziemlich gewachsen. Immer wieder gingen Attacken, einige sehr erfolgreich, andere eher weniger. Ich war froh, ein Hinterrad zu haben und brauchte ewig, um mich von der Aufholjagt zu erholen. Normalerweise hätte ich mich direkt im vorderen Drittel des Feldes positioniert, doch heute reichte einfach die Kraft nicht. So rollte ich also ziemlich unauffällig mit dem Pulk bis zur Wechselzone. Auch die Laufbelastung wollte mein Körper heute ungern im roten Bereich ertragen. Erst nach 5km konnte ich mein Tempo etwas erhöhen und trotzdem großem Rückstand einige Platzierungen gut machen. Zufrieden stelle mich das in keinster Weise.

Eine rückblickende Analyse des Rennens und der letzten Trainingswochen ergaben eine Vermutung: Die letzte Frische scheint einfach gefehlt zu haben. In der höchsten Kategorie, in der man Triathlon auf der Kurzdistanz betreiben kann, bekommt man dann ganz schnell einen auf den Deckel.

Aber solange ich aus meinem Fehler lernen konnte, war das Rennen einiges wert und ein paar Pünktchen gab es ja auch noch. Am Dienstag geht es ja auch schon nach Yokohama, wo am nächsten Wochenende die nächste Chance auf mich wartet. Dort hoffentlich dann ohne großen Jetlag und mit der entsprechenden Frische!

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