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Die Diagnose, die niemand kannte – Mein Weg mit einer Kinking-Stenose


Es gibt Verletzungen und Probleme im Sport, die kennt jeder. Achillessehne, Knie, Rücken. Dann gibt es Dinge, bei denen selbst Ärzte erst einmal die Stirn runzeln. Meine Diagnose gehörte definitiv zur zweiten Kategorie.

Wenn die Beine nicht mehr mitspielen

Alles begann mit einem Gefühl, das sich nur schwer beschreiben ließ. Die Trainingswerte passten nicht mehr zu meinem Leistungsniveau. Vor allem auf dem Zeitfahrrad fühlten sich meine Beine regelmäßig an, als würden sie gegen eine unsichtbare Bremse ankämpfen.

Als Profi-Triathlet verbringt man viele Stunden damit, Ursachen zu suchen. Training? Ernährung? Material? Regeneration? Doch egal, an welcher Stellschraube ich drehte – das Problem blieb.

Der erste entscheidende Hinweis kam schließlich bei einem Leistungstest in der Sportmedizin Saarbrücken. Dort wurden meine Muskel-Sauerstoffwerte mit einem Moxy-Sensor gemessen. Auffällig war vor allem der enorme Unterschied zwischen meiner Position auf dem Rennrad und der Position auf dem Zeitfahrrad.

Irgendetwas stimmte nicht.

Erste Verdachtsmomente

Der nächste Schritt führte mich zur Knappschaftsklinik Sulzbach. Dort wurde eine ABI-Messung durchgeführt. Vereinfacht gesagt wird dabei überprüft, wie gut das Blut in die Beine gelangt.

Das Ergebnis war auffällig: Werte um 0,7 nach Belastung.

Spätestens jetzt war klar, dass wir es nicht mit einem klassischen Trainingsproblem zu tun hatten.

Die Suche nach der Ursache

An der Uniklinik Homburg folgte schließlich ein MRA.

Als die Bilder vorlagen, wurde erstmals sichtbar, wonach wir so lange gesucht hatten: Auf beiden Seiten war eine deutliche Engstelle der Arterien erkennbar. Allerdings nicht durch Ablagerungen oder Verkalkungen, sondern durch einen regelrechten Knick der Gefäße im Bereich der Hüfte.

Die Diagnose lautete: Kinking-Stenose.

Eigentlich hätte das die erlösende Antwort sein sollen. Stattdessen begann nun erst die eigentliche Odyssee.

Endofibrose oder doch etwas anderes?

Bei Ausdauersportlern wird bei solchen Symptomen häufig auch an eine sogenannte Endofibrose gedacht – eine Verdickung der Gefäßwand, die besonders bei Radprofis vorkommen kann.

Also folgte ein Ultraschall in Homburg.

Das Ergebnis war allerdings nicht eindeutig.

Also wurde ein weiterer Termin vereinbart – diesmal mit Kontrastmittel. Erst diese Untersuchung brachte Klarheit: Eine Endofibrose konnte ausgeschlossen werden.

Einerseits eine gute Nachricht. Andererseits bedeutete es auch, dass die Ursache tatsächlich die Knickbildung der Arterien war.

Viele Ärzte, viele Meinungen

In den folgenden Wochen telefonierte ich mit Ärzten in ganz Deutschland. Ich verschickte Befunde, diskutierte Untersuchungsergebnisse und sprach mit Spezialisten über mögliche Behandlungswege.

Das Ergebnis war erstaunlich einheitlich:

Von einer Operation wurde mir nahezu überall abgeraten.

Das Problem dabei: Niemand konnte mir gleichzeitig eine echte Alternative anbieten.

Die Symptome waren da. Die Befunde waren da. Aber die Bereitschaft zu operieren war gering.

Für mich begann eine Phase voller Unsicherheit. Einerseits wollte ich keine unnötige Operation. Andererseits wollte ich auch nicht akzeptieren, dass meine sportliche Leistungsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt bleibt und meine Karriere somit beendet wäre.

Die Reise nach Belgien

Schließlich führte mich die Suche nach Genk in Belgien.

Dort traf ich auf ein Team, das deutlich mehr Erfahrung mit genau dieser Problematik hatte. Die Untersuchungen bestätigten die bisherigen Befunde und erstmals hatte ich das Gefühl, mit Ärzten zu sprechen, die diese Erkrankung regelmäßig behandeln.

Trotzdem war die Entscheidung alles andere als einfach.

Wochenlang wägte ich Chancen und Risiken ab.

Am Ende stand die Erkenntnis: Wenn ich wieder mein volles Potenzial ausschöpfen wollte, musste ich diesen Schritt gehen.

Oktober 2025 – Die Operationswoche

Im Oktober 2025 war es schließlich soweit.

Mittwoch wurde zunächst das rechte Bein operiert. Dort waren im MRA sogar zwei Knickstellen sichtbar gewesen.

Donnerstag hieß es durchatmen.

Freitag folgte die Operation am linken Bein. Während des Eingriffs entdeckten die Chirurgen sogar noch eine zweite, zuvor nicht erkannte Knickstelle und konnten diese ebenfalls direkt beheben.

Damit schien alles geschafft.

Zumindest dachten wir das.

Wenn plötzlich alles anders kommt

Am Samstag bemerkten die Ärzte Probleme im Bereich des linken Fußhebers.

Die Diagnose: Muskelkompartmentsyndrom.

Eine seltene, aber ernstzunehmende Komplikation, bei der der Druck innerhalb eines Muskelfachs gefährlich ansteigt.

Es folgte eine Notoperation.

Dabei wurden unmittelbar zwei Faszien geöffnet, um den Druck zu entlasten und bleibende Schäden zu verhindern.

Am Dienstag konnte eine der Faszien wieder verschlossen werden. Die zweite musste zunächst offen bleiben.

Nicht gerade der Verlauf, den man sich nach einer ohnehin schon großen Operation wünscht.



Der schwierigste Teil beginnt

Am Mittwoch durfte ich schließlich die Heimreise antreten.

Damit begann jedoch die wahrscheinlich größte Herausforderung der gesamten Geschichte: Geduld.

Die Arterien waren geöffnet und mit einem Venenpatch erweitert worden. Dadurch bestand in den ersten Wochen das Risiko von Undichtigkeiten oder Problemen im Operationsbereich.

Deshalb galt eine klare Regel:

Zwei Monate kein Sport.

Für jemanden, dessen Alltag normalerweise aus Schwimmen, Radfahren und Laufen besteht, fühlten sich diese Wochen länger an als mancher Ironman.

Die ersten Schritte zurück

Erst kurz vor Weihnachten durfte ich wieder vorsichtig aktiv werden.

Zunächst einige lockere Schwimmeinheiten.

Dann die ersten Minuten auf dem Rad.

Keine Intervalle. Keine Wettkämpfe. Keine Leistungsziele.

Einfach nur wieder Bewegung.

Nach Monaten voller Diagnostik, Unsicherheit, Entscheidungen, Operationen und Reha fühlte sich selbst eine lockere Trainingseinheit plötzlich wie ein kleiner Sieg an.

Was bleibt?

Rückblickend war die Diagnose nicht das Schwierigste.

Die größte Herausforderung war die Zeit dazwischen: Die Ungewissheit. Die unterschiedlichen Meinungen. Die Frage, ob man die richtige Entscheidung trifft.

Heute weiß ich, dass sich die Suche nach Antworten gelohnt hat.

Und wenn diese Geschichte eines zeigt, dann vielleicht dies:

Manchmal ist der Weg zurück zur Leistungsfähigkeit deutlich länger als jedes Rennen. Aber aufgeben war nie eine Option.

 
 
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